Die Arbeiten zu
„Mein Leben mit Mitsu“ begannen 1996, also vor
fast genau zehn Jahren. Der Verlag bewirbt es als mein
erstes Buch, was nicht so ganz stimmt. Auf eine bestimmte
Weise aber schon.
Der Wunsch, Schriftsteller zu werden, begleitet mich
seitdem ich schreiben kann. Mein erstes Manuskript hatte
ich im zarten Alter von 11 Jahren auf eine mechanische
Maschine getippt. Und da war auch der erste magische
Moment, als ich das Wort „Ende“ unter den
kleinen Stapel Papieren setzen konnte. Worum es ging kann
ich nicht mehr sagen, das Manuskript verstaubt in einem
riesigen Koffer, den hoffentlich kein Mensch mehr findet.
Die „Rezensionen“ waren eher von freundlicher
Belustigung getragen, aber ich schrieb weiter und quälte
meine Umgebung mit Selbstverfasstem. Wie die meisten
Pubertierenden natürlich mit Gedichten. Eine erste
Publikation folgte, die ich heute allerdings todschweige,
und dann ein erster Literaturpreis des hannoverschen
Künstlervereins, der immerhin mit 1.000,– DM dotiert
war, die mir in einem feierlichen Akt im „Theater am
Aegi“ übergeben wurden. Zeitungsartikel und
Radiointerviews folgten.
Danach folgte eine Phase, in der ich versuchte, Poesie und
Philosophie zu verbinden. Ich organisierte einen 1.
Poetisch-Philosophischen Kongress, war Mitherausgeber der
Zeitschrift „Positionen“, die quer zum damalig
herrschenden Zeitgeist versuchte, Form und Inhalt zu
verbinden. Es folgte ein Manuskript mit dem Titel
„Das wuchernde Denken“ über Antonin Artaud und
die „Fleischwerdung“, ein abstrakter Zyklus zu
Marcel Duchamps Grüner Schachtel. Außerdem kleinere
Veröffentlichungen wie ein Text für die Lichtkünstlerin
Yvonne Goulbier und Künstlerbücher mit KA-MA SCHU, deren
Auflage jeweils exakt ein Exemplar betrugen.
Dann war Schluss. Ich machte noch eine zehnstündige Lesung
im Medienhaus Hannover (22 Uhr bis 8 Uhr), und versuchte
danach, mit Satz und Grafik ein Unternehmen zu gründen,
scheiterte, und begann während des Scheiterns wieder an
einem Buch zu schreiben, das den Arbeitstitel 3 1/2
Sekunden trug. Die Idee: ein kleines Büchlein, das man
zwischendurch lesen kann, in der Straßenbahn, im
Wartezimmer beim Arzt, kurz vor dem Schlafengehen –
eine Collage aus kleinen Texten. Die ersten Lesungen waren
erstaunlich. Literatur hatte noch einen hehren Anspruch,
Unterhaltung war verpönt. Mitsu war anders (und ist es
heute noch). Es war verständlich. Es machte Spass. Die
Arbeit sollte sich trotzdem hinziehen, denn es war viel
schwieriger als gedacht, etwas Einfaches zu schreiben. Erst
1999 war die erste Fassung fertig. Danach sollte es
schneller gehen, und es entstanden weitere Texte, wie der
Roman „Im Schatten des Flügelschlags“.
2001 kam der nächste Wendepunkt. Ich lernte den
Softwareguru Kai Krause kennen, der sich in das Manuskript
verliebte und einen eigenen Verlag gründen wollte, um das
Buch in 100.000 Auflage auf die Welt zu bringen. Ich zog
auf die Byteburg am Rhein, und nach einem Jahr wieder aus.
Es sollte noch einige Jahre dauern, bis das Buch werden
wollte. Ich war inzwischen in meiner neuen Heimat, Berlin,
angekommen, als ich Iris Luckhaus kennen lernte. Wir waren
uns sofort einig, dass sie die Illustrationen zu Mitsu
machen sollte. Wie es der Zufall will war sie zu dieser
Zeit mit einem Jungverleger im Gespräch, Christian
Arzberger, der sie als Titelillustratorin für seinen neuen
Verlag gewann. Gleichzeitig wurde ich ihm von einer
befreundeten Autorin aus Berlin empfohlen. Um es kurz zu
machen: Mitsu war unvermeidbar geworden, und das Buch
erblickte am 30. Juni 2005 in Wuppertal das Licht der Welt,
pünktlich zum ersten Geburtstag des Brandneu
Verlages.